Johanneskirche
Das Sgraffito an der Johanneskirche
Über dem Haupteingang der Johanneskirche ist im Westgiebel ein besonderes Kunstwerk zu sehen: das Sgraffito der Schwerter Künstlerin Edith Prutz-Gueth (1928-2008).
Es ist kurz vor der Einweihung der Kirche im Herbst 1960 gestaltet worden. Als Sgraffito, vom italienischen Verb sgraffiare, zu Deutsch kratzen, wird eine Putz- und Kratz-Technik bezeichnet. Für die Johanneskirche wurde an zwei aufeinanderfolgenden Tagen drei farbige Putzlagen aufgetragen werden: Weiß, Schwarz und das besondere pompejanische Rot. Anschließend wurde der Putz von der Künstlerin so abgekratzt, dass entsprechend ihrer Vorzeichnung die später sichtbaren Linien und Flächen entstehen konnten mit einer reliefartigen Struktur.
Zur Bildbeschreibung:
In den Linien und Flächen des Bildes erkennt man ein ruhendes Lamm, das den Betrachter mit großen Augen ansieht. Im Hintergrund ein stilisiertes Kreuz mit dem Grundriss der Kirche.
Sowohl Kreuz als auch Lamm sind umschlossen von einem Kreis. Von der linken Hälfte dieses Kreises, in Berührung mit Kreis und Lamm und starker Betonung der Senkrechten, erhebt sich ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen, deren Linie das Auge auf das Lamm hinführen. Der Kopf des Adlers, umgeben von einer Ellipse, ist nach unten geneigt, der offene Mund scheint etwas zur Erde zu rufen, wo eine schwarze und eine weiße Hand eine Schale halten und sich dabei einander versöhnend nähern. In die Schale fallt ein Bündel von Feuerzungen und Blutstropfen, die vom Kreuz, vom Lamm kommen.
Die rechte Seite des symbolträchtigen Bildes wird abgerundet von einem Spruchband, auf dem in griechischer Sprache AGAPATE, zu Deutsch liebt, steht. In Anlehnung an einen biblischen Vers: „Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1. Joh, 4,16).
Zur Deutung:
Das Lamm symbolisiert Jesus Christus, und in dem Lamm begegnet uns und aller Welt -(Kreis) die Liebe Gottes, die in der Kirche (Kreuz Grundriss) verkündigt wird. Von dieser Liebe schreibt der Apostel Johannes (Adler) den Menschen (Hände) in seinen Briefen. Trotz seiner Sonderstellung (Ellipse – Heiligenschein) spricht er nicht von sich selbst, sondern im Auftrag seines Herrn (Verbindung zum Lamm).
Und nun erhalten Menschen, die sich fremd oder gar feindlich (schwarz und weiß) gegenüberstehen, die Verkündung der Liebe durch den Apostel und kommen sich versöhnend entgegen.
Andererseits wirkt der erhöhte Christus selbst und unmittelbar mit seinem Geist (Feuerzunge) und seinem Blut (Tropfen), Liebe schenkend. Zum Wohl der Menschen, die diesen Geist nicht verwehen und das Blut nicht verströmen lassen, sondern auffangen (Schüssel) und aufnehmen. All diese christliche Liebe stellt die Künstlerin in ihrer Sgraffito-Arbeit dar.
Dieses Kunstwerk ist dem Anliegen und der Verkündigung der Johanneskirche gewidmet. Unter diesem Bild gehen die Menschen hinein in die Johanneskirche zum Gottesdienst oder Konzert. Und unter diesem Bild gehen sie wieder hinaus in ihren Alltag.
Eine ausführliche Darstellung zum Kunstwerk (zur Entstehungsgeschichte, zur Künstlerin und zur Deutung mit einem besonderen Wort von Pfarrer Karl-Heinz Thiemann) und Quellenangaben finden Sie hier.
Mein besonderer Dank gilt Pfarrerin i.R. Brigitte Zywitz und Ingrid Böhmer, die mich bei der Recherche im Burgarchiv des Gemeindeverbandes tatkräftig unterstützt haben.
Text: Karl-Heinz Struve (KHS)


